Archiv der Kategorie: Barrierefreiheit

Schalter in IOS13 umbenennen

Jeder Blinde kennt das. Appentwickler, die ihre Schalter nicht benannt haben. So weiß ein Voiceovernutzer nicht, worauf er gerade drückt. Inzwischen lassen sich solche Schalter selbst beschriften.

  1. tippe auf dem zu benennenden Schalter mit zwei Fingern doppelt auf den Bildschirm und lasse die Finger liegen, bis ein Tonsignal ertönt.
  2. Wische im erscheinenden Dialogfeld einmal nach Rechts, um das Eingabefeld zu fokussieren.
  3. Tippe auf „sichern“

Hinweis: Beschriftungen von Schaltern, die vom Appentwickler bereits eine Beschriftung erhalten haben, bleiben nicht dauerhaft bestehen.
Hier gibt es das ganze auch nochmal als Video.

Emojis mit NVDA und Windows10 einfügen

Ich habe mir die NVDA-Erweiterung Emoticons installiert und eingestellt, dass mir NVDA einige Zeichen ansagt. Jetzt werden mir auch Emojis vorgelesen.
Mit einfügen+I kann ein Fenster geöffnet werden, mit dem sich Emojis in die Zwischenablage kopieren lassen, um sie an geeigneter Stelle wieder eingeben zu können. Dabei habe ich festgestellt, dass nur eine kleine Auswahl der verfügbaren Emojis angezeigt wird.
Auf der Erweiterungsseite bekam ich den Hinweis, dass auch das Emoji-Panel von Windows 10 genutzt werden kann.

Mit WindowsTaste+punkt blendet ihr das Emoji-Panel ein. Zur besseren Zugänglichkeit empfiehlt sich zusätzlich die NVDA Erweiterung Zugänglichkeitsverbesserungen für Windows 10 Apps.
Der Fokus steht auf der Liste der verfügbaren Emojis, bei mir war es die Kategorie zuletzt verwendet. Um die Kategorie zu wechseln drückt ihr tab, mit Pfeilrechts und Pfeillinks wechselt ihr die Kategorie, müsst dies aber noch mit enter bestätigen. Umschalt+tab bringt euch anschließend zurück in die Liste der Emojis, hier wählt ihr ebenfalls mit Pfeillinks und Pfeilrechts das Passende aus, welches mit enter direkt eingefügt wird.

Warum ich keinen Schnee mehr mag

Mein heutiger Beitrag ist durch diesen Beitrag inspiriert.
Heute früh sagte mein Freund mir es schneit. Auf mein „oh nein“ hat er mir versichert, dass nichts liegen bleibt. So geht das immer, wenn es schneit und ich weiß, dass ich an dem Tag noch unterwegs sein möchte.
Als Kind habe ich Schnee geliebt. Ich mochte es, ihn anzufassen, zu Kugeln zu formen oder einfach nur in der Hand zu zerdrücken, um das Knirschen zu hören. Mit meiner Familie bin ich damals auch mal Schlitten gefahren oder wir Geschwister haben Schneemänner gebaut.
Ich weiß auch noch, dass ich als kleines Kind den Schnee immer mit reinnehmen wollte, was natürlich nicht gut ging. Damals habe ich noch nicht so weit gedacht, obwohl er mir ja in der Hand immer geschmolzen ist.
Zu meiner Internatszeit, in der ich immer selbstständiger wurde und somit auch allein nach draußen gegangen bin hat sich das geändert.
Ich ertaste mir meinen Weg mit dem Blindenstock. Liegt Schnee kann ich den Untergrund nicht mehr richtig wahrnehmen und es kann passieren, dass ich auf der Straße lande. Zudem werden die Umgebungsgeräusche geschluckt, was mich zusätzlich behindert.
Am Schlimmsten war das für mich als ich noch pendeln musste. In Frankfurt waren die Wege zwar meistens gestreut, dennoch war es für mich zusätzlich zu der Belastung durch die Pendelei ein weiterer Stressfaktor, mich da allein durchkämpfen zu müssen. Ich hatte selten Begleitung, traf leider auch kaum spontan Leute, die ich hätte um Hilfe fragen können. Ich war ja immer schon so früh unterwegs und gerade in stressigen Situationen fällt es mir schwer, andere um Hilfe zu bitten.
Aktuell bin ich froh, dass ich nicht täglich raus muss. Mein Weg in die Stadt ist durch meinen Umzug vor über einem Jahr auch deutlich einfacher geworden. Sollte ich wieder einen Job haben ist das jetzt deutlich stressfreier.
Zum Glück hat es zu meiner Zeit beim HR selten geschneit, sodass der Horror, den ich damit verbinde, nicht allzu häufig war. Wenn ich zurückdenke hatte ich aber immer Angst, verloren zu gehen oder einen Unfall zu haben. Natürlich ist nie was passiert.

GitHub: Repositories löschen

Ich hatte ja vor einiger Zeit angekündigt, mich näher mit GitHub zu befassen. Den Account hatte ich schon seit Jahren. Also hab ich mich letztens eingeloggt und alte Repositories gefunden, an denen ich definitiv nicht weiter basteln werde.
Mir stellte sich die Frage, wie lösch ich die jetzt?
Ich hätte gedacht, ich könnte in der Liste meiner Repositories einfach auf „delete“ klicken, so einfach ist es aber nicht. Intuitiv geht anders. Also bin ich einer Facebookgruppe für GitHub Anfänger beigetreten und habe mit meinem angerosteten Englisch meine Frage gestellt. Damit ich es nicht selbst wieder vergesse, schreibe ich hier mal die Lösung nieder. Es ist wie mit vielem, wenn man es einmal weiß… Seis drum.

Auf der Startseite sehe ich unter anderem meine Repositories. Dort klicke ich das an, welches ich löschen will.
Es erscheint die Seite mit allen Infos zum gewählten Repository. Ich kann zwar mit h zur Überschrift mit dem Titel des Repos springen, muss dann aber noch zum Punkt „settings“ weiter scrollen.
Es erscheint die Seite „options“, die in verschiedene Abschnitte unterteilt ist, hier brauche ich die Überschrift „dangerzone“, darunter findet sich mein Schalter „delete this Repository“.
Es folgt die obligatorische Abfrage, ob ich das wirklich löschen will nebst Warnung, dass dies nicht rückgängig zu machen ist. Zur Bestätigung gebe ich den Namen meines Repos ein und drücke „I understand the consequences, delete this Repository“.
Beim ersten Repo musste ich nochmal mein Passwort bestätigen, ich weiß jetzt nicht, in welchen Intervallen danach gefragt wird. Jetzt habe ich nur noch die Repositories an denen ich in Zukunft auch arbeiten möchte.
Sollte allgemein Interesse an einem GitHubGuide o.ä. bestehen schreibt es mir gern.

Ich bin ein Gutenberg Muffel

Man könnte auch sagen, ich bin ein kleiner Schißer. Es gibt den Gutenberg Editor in WordPress schon so lange, ich nutze ihn immer noch nicht.
In diesem Beitrag hat Marco Zehe geschrieben, warum er ihn nicht empfielt. Ich hatte marco vor einiger Zeit in den Kommentaren eines älteren Beitrags gefragt, ob der Gutenberg Editor inzwischen genutzt werden kann und schon da hat er mir abgeraten.
In einigem bin ich ja durchaus bastelfreudig, wenn es das wort überhaupt gibt, das hört aber bei Dingen die einfach funktionieren müssen auf.
Oft veröffentliche ich meine Blogbeiträge spontan, ich war noch nie die große Planerin. Da muss ich mich auf die Technik verlassen können.
Natürlich werde ich mich weiterhin auf dem Laufenden halten und mir ggf. mit einer Testinstanz ein eigenes Bild machen, aktuell stelle ich das noch hinten an. Ich habe noch so viele Ideen, schon da fällt es mir schwer zu priorisieren. Daher bin ich sehr froh, dass es den Classic Editor noch eine Weile geben wird.

Linktipp: Wie man mit NVDA den Bildschirm erkundet

Wie neulich angekündigt, hier mein erster Linktipp: Wie man mit NVDA den Bildschirm erkundet
Mal wieder von einem meiner Lieblingsblogger. Nicht ganz uneigennützig, ich verbasel immer mal wieder wichtige Links und NVDA ist der von mir eingesetzte ScreenReader. Außerdem hätte ich das sicher nicht besser schreiben können.

Gedanken zum Tag der Menschen mit Behinderung

Heute ist der Tag für Menschen mit Behinderung und ich mache mir da so meine Gedanken. In diesem Beitrag versuche ich sie zu sortieren. Es werden auch Dinge dabei sein, die ihr vermutlich schon woanders gehört oder von mir gelesen habt. Es hilft mir das nochmal in eigene Worte zu fassen und ich erhebe natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Eine Sache die ich in den letzten Tagen verstärkt auf Twitter lese macht mich sehr betroffen und lässt mich zweifeln, wie ernst das mit der Inklusion gemeint ist.
Was ich da über die Deutsche Bahn mitbekomme, dass ständig Rollstuhlfahrer stehengelassen werden, angeblich aus Personalmangel, lässt außerdem meinen eh schon durch meine Pendelei verstärkten Hass auf die Bahn hochkochen. Als Pseudolösung wird dann der Schwerbehinderte noch gebeten, seinen Fahrplan anzupassen.
Es ist ja auch völlig in Ordnung, dass Schwerbehinderte doch bitte spätestens 2 Tage vorher wissen sollen, wann sie fahren wollen, wenn sie Hilfeleistung benötigen. Das führt bei mir häufig dazu, dass wenn ich doch mal fahre mich beim Umsteigen lieber durchfrage, auch wenn mich das viel Überwindung kostet. Meistens sind ja die anderen Reisenden selbst so in Eile oder müssen ganz woanders hin, da bin ich froh, wenn ich längere Umsteigezeiten habe.
Das Thema allein schon triggert mich extrem, da möchte ich nicht wissen, wie das für Rollstuhlfahrer ist. Mir graust jetzt schon vor Weihnachten. Da fahre ich zu meinen Eltern und das wird alles andere als angenehm, weil ich mehrfach umsteigen muss.
Ich durfte mir schon anhören ich solle doch froh sein, dass es die Bahn gibt. Sorry, aber ich schreibe was mir nicht passt. Überhaupt finde ich es ziemlich daneben, wie andere immer zu beurteilen meinen was zumutbar ist. Man solle dankbar sein für das, was man bekommen kann. Egal, ob dabei Grenzen überschritten werden.
Da sage ich ganz klar nein. Zu lange wurden unsere Grenzen immer wieder überschritten und das schlimmste ist, dass solche Kommentare auch gerne aus den eigenen Reihen kommen. Mag sein, dass ihr es mit euch machen lässt, aber gesteht uns auch zu, dass wir das nicht tun.
Keiner hat es sich ausgesucht behindert zu sein, dann darf ich mir wenigstens aussuchen, wie ich behandelt werden möchte.
Ich bin ehrlich, ich beneide jeden, der ein Auto fahren kann. Sicher, ich könnte mir eine Mitfahrgelegenheit suchen. Da muss ich der fahrenden Person sehr vertrauen können. Darauf bin ich schon angesprochen worden, man bewunderte mein Vertrauen in die helfende Person. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, kenne es jedoch nicht anders.

Ein anderes Thema ist die immer noch fehlende Aufklärung. Wie oft höre ich „die wissen es ja nicht besser.“ Ja, dann fragt man. Ich kann auch nicht alles auf dem Schirm haben, werde ich darauf angesprochen, erweitere ich gerne meinen Horizont.
Ich wünsche mir viel mehr Verständnis für einander, weniger uninformierte Behauptungen wie die Gruppe der Schwerbehinderten sei so klein, da lohne es sich nicht, die Software anzupassen.
Wie ich an anderer Stelle schon erwähnte, ist auch der Satz „das können wir nicht umsetzen.“ beliebt. Ist ok, aber wo ist dann das Problem, sich helfen zu lassen?
Ich habe sowohl Fremdfirmen im HR als auch privat einigen Betreibern angeboten mit meinen Möglichkeiten zu helfen, leider meistens ohne Erfolg.
Umgekehrt möchte ich noch besser verstehen lernen. Erst heute habe ich mich beim durch die Stadt laufen gefragt, wieso mir ständig Leute über den Stock stolpern oder ob man mich sieht, wenn ich seitlich vorbeilaufe, derjenige aber gerade nach vorne guckt. Man hat uns in der Schule viel darüber beigebracht, wie wir uns unter Sehenden verhalten sollen, nur wirkliches verstehen kam da bei mir nicht auf.

Zum Glück sehe ich auch positives, weit weniger als ich gedacht habe bekomme ich Absagen wegen meiner Behinderung. Es gab sogar Firmen, die nochmal extra betont haben, dass es wirklich nicht an der Behinderung lag. Wäre nicht nötig gewesen.
Ohne die IT wüsste ich gar nicht, was ich hätte werden sollen, viel gab es früher nicht.
Trotz meiner langen Internatszeit habe ich einige Kontakte ohne Behinderung, die mir schon immer unvoreingenommen begegnet sind.

Leider bleibt am Ende immer noch viel negatives kleben und ich fürchte, dass auch der heutige Tag eher für Lippenbekenntnisse genutzt wird, als wirklich nachzudenken und die Situation zu verbessern.

Ist Facebook barrierefrei?

In diesem Beitrag versuche ich, die Unterschiede der Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Facebook genutzt werden kann. Jede Art und Weise hat andere Baustellen, was Barrierefreiheit, ins Besondere Zugänglichkeit für Blinde angeht.

Welche Möglichkeiten gibt es?

Natürlich ist da als erstes die ganz normale Facebookseite www.facebook.com zu erwähnen.
Wem das zu sperrig ist und wer nur die grundlegenden Funktionen nutzen möchte, kann auch am PC die abgespeckte Version m.facebook.com verwenden. Dinge wie Spiele sind dort allerdings nicht vorgesehen.
Dann ist da natürlich die sowohl unter IOS, als auch auf Androidtelefonen nutzbare Facebook App. Diese ist auch für Tablets verfügbar. Für bestimmte Funktionen gibt es auch noch separate Apps, wie etwa im Messenger, für Fanseiten oder Gruppen. Auch diese gibt es sowohl für IOS, als auch für Android.
Hier gehe ich jetzt allerdings nur auf die Hauptapps ein. IOS und Android fasse ich jeweils zusammen.

Was alle gemeinsam haben

Es gibt zum Glück nur eine Sache, die fast nirgends für Blinde funktioniert. Das sind die Sticker.
Diese sind nicht mit Alt-Attributen ausgezeichnet, sodass ein Screen-Reader fast überall nur „Grafik Sticker“ vorliest. Dieses Problem wurde schon mehrfach an das Facebook-Accessibility-Team gemeldet, jedoch ist hier bis heute nichts passiert.
Und wo wir schonmal bei Bildern sind: Schön wäre, wenn ein Bild Text enthält, dass dieser auch mittels eingebauter OCR vorlesbar wäre. Bis jetzt sagt Facebooks eigene KI dazu nur „Dieses Bild könnte enthalten: Text“. Aber ich habe Hoffnung, dass dies ausgebessert wird.

Für Sehgeschädigte gibt es keinerlei Einstellungen zum Ändern von Kontrastverhältnissen. In der Hilfe steht nur, dass man das im Betriebssystem einstellen soll. Falls ihr da noch andere Dinge habt, die euch einfallen, schreibt sie in die Kommentare. Ich ergänze dann.

Facebook am Desktop

Hier kam ich nie richtig dazu, das ausführlich zu testen. einfach, weil mir unter Windows sämtliche Screen-Reader bei dem Versuch abstürzten, www.facebook.com länger geöffnet zu lassen. Falls ich es doch mal schaffe, reagiert die Seite immer sehr langsam. Am Mac habe ich es seit Jahren nicht mehr versucht.

Die mobile Facebookseite

Hier haben wir auch schon die einzige Ausnahme, bei der Sticker jetzt teilweise vorgelesen werden. Nämlich dann, sobald man einen Sticker bekommen oder verschickt hat. Möchte man einen Sticker versenden, sagt der ScreenReader weiterhin nur „Grafik Sticker“. Wenn ein Sticker versendet ist, wird nun in der Unterhaltung vorgelesen, um was es sich handelt. Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, das macht Hoffnung auf mehr.

Bei Sicherheitsabfragen ist hier kein Audiocaptcha verfügbar.

Auf m.facebook.com ist es technisch leider nicht möglich, Namen mitten im Text zu markieren, wie es auf der Desktopseite und in der App funktioniert. Es geht nur, Freunde am Ende eines Textes zu markieren. Hierfür gibt es einen Schalter „Freunde markieren“ oder in Kommentaren „Freunde erwähnen“. Mitten im Text wäre es aber m.E. schöner.

Regionen werden zwar verwendet, aber wirklich anspringen lassen sich die einzelnen Beiträge nicht, weil auch Links Überschriften sind und auch die zu Beiträgen gehörenden Aktivitäten eigene Regionen haben.

Kommentiert jetzt z.b. jemand seinen eigenen Beitrag, steht in einer Region „Svenja-Blog hat seinen/ihren Beitrag kommentiert“. Darunter findet sich eine Unterregion mit dem Beitrag. Hier wird jetzt auch direkt die Möglichkeit zum Kommentieren gegeben. Zu guter letzt werden beide Regionen beendet und der nächste Beitrag erscheint. Das macht es sehr schwer, vernünftig zu navigieren, aber ich habe mich daran gewöhnt. Die Tastenkombinationen, die man am Desktop verwenden kann, gibt es hier teils nicht.

Smileys werden nur wenige vorgelesen. Vieles sind unbeschriftete Grafiken. Auch hier fehlen die Alt-Attribute.

In Safari am Mac lassen sich manche Menüs gar nicht erst auswählen. Wird darauf geklickt, gibt Voiceover zwar das Signal, dass der Link aktiviert wurde, aber das Menü taucht nicht auf. Unter anderem lassen sich so keine Freunde in Listen einordnen oder Beiträge löschen.

Facebook auf I-Devices

Es ist VoiceOver-Nutzern nicht möglich, ganze Notizen zu lesen. Man hört die Vorschau, sobald die Notiz jedoch mit einem Doppeltipp geöffnet wird, hängt die App und es klingt, als fände VoiceOver keinen Bildschirminhalt. Auch die Geste, sich den Bildschirm mit zwei Finger von oben streichend vorlesen zu lassen, bewirkt nichts als Schweigen. Hier hilft nur, die App neuzustarten, dann ist die Notiz wieder endgültig verschwunden.

Teilen mehr als zwei Personen einen Link, lässt sich problemlos mit dem Finger nach unten wischen und auf die Ansage „x weitere Meldungen anzeigen“ doppeltippen. Gibt es allerdings nur zwei, die ein und denselben Link teilen, lässt sich der Link nicht auslösen oder teilen. Das führte schon oft dazu, dass ich interessante Links nicht teilen konnte oder dafür auf die mobile Facebookseite ausweichen musste.

Aus einem Beitrag heraus lassen sich keine Profile anklicken. Dies geht nur in Kommentaren.

Schalter der Livevideos sind nicht beschriftet. Möchte also nun ein VoiceOver-Nutzer ein Livevideo machen oder anschauen, findet sich eine Reihe unbenannter Schalter. Um da wieder rauszukommen, hilft nur, die App wieder zu schließen. Anderenfalls kann es passieren, dass aus Versehen eine Aktion ausgeführt wird, die nicht gewollt ist, wie z.B. eine „wütend“-Reaktio. Der Ersteller wundert sich dann, warum das Video jemanden wütend gemacht hat, der eigentlich nur wieder zurück auf den Hauptbildschirm der App wollte.

Möchte man auf seiner Chronik Beiträge freigeben, muss der Link auf die Übersicht der freizugebenden Beiträge doppelt getippt und beim zweiten Tipp gehalten werden, damit die Seite geöffnet wird. Beim einfachen Doppeltippen auf den Link passiert nichts.

Facebook unter Android

Hierzu habe ich kaum eigene Erfahrungen, da ich die App schon seit 2 Jahren nicht mehr benutzt habe. Wer mir hier weiterhelfen möchte, kann sich gern bei mir melden. Ich ergänze dann diesen Beitrag, auf Wunsch auch mit Namen.

Fazit

Im Großen und Ganzen sind Facebooks verschiedene Apps und Seiten für Blinde zugänglich. Von Barrierefreiheit kann man jedoch noch lang nicht sprechen, ins besondere dann nicht, wenn gefühlt bei jedem zweiten Update Funktionen kaputtgemacht werden. Da muss man Facebook aber zu Gute halten, dass sie das alles bis jetzt auch wieder gefixed haben, wenn viele das Problem gemeldet haben. Das Beispiel mit den Stickern zeigt aber, dass es nicht immer so ist.

Häufig gestellte Fragen

In meinem ersten Eintrag hatte ich angekündigt, hier eine Reihe immer wieder gestellter Fragen zu beantworten.
Anlass zu diesem Eintrag gab u.a. der Expertenchat mit mir, in dem ich am 15. Juni Fragen zur Barrierefreiheit von Webseiten beantwortet habe.

Wie kannst du als Blinde lesen, was ich schreibe?

Am PC und Handy/Smartphone gibt es für verschiedenste Betriebssysteme eine Software, die Blinden den Bildschirminhalt in Sprache umwandelt. Außerdem gibt es die Möglichkeit, eine Braillezeile, anzuschließen, die mir alles in Blindenschrift anzeigt. Das ist vor allem zum Entwickeln hilfreich, weil sonst jedes einzelne Sonderzeichen vom ScreenReader angesagt wird.

Ich persönlich nutze beide Systeme. Die Braillezeile funktioniert nicht ohne den ScreenReader. Jeh nach Bedarf lässt sich die Sprachausgabe oder die Braillezeile aber abschalten, sodass nur mit einem der Systeme gearbeitet werden kann. Außerdem gibt es sogar ScreenReader, die noch eine Schriftvergrößerung integriert haben. Das ist für stark Sehbehinderte hilfreich, die noch etwas auf dem Bildschirm erkennen und zur Unterstützung eine Sprachausgabe nutzen möchten.

Wie schreibst du blind am PC?

Ich schreibe mit einer ganz normalen Tastatur im Zehnfingersystem. Die Anordnung der Tasten kenne ich so gut, dass ich damit relativ schnell schreiben kann. Mir war nicht bewusst, wie viele Sehende tatsächlich beim Schreiben auf die Tastatur schauen, weil sie die Anordnung der Tasten nicht auswendig wissen oder im Zweifingersuchsystem tippen.

Inzwischen kann ich auch den Touchscreen eines Smartphones bedienen. Dies ist erst möglich, seit Apple 2009 das IPhone 3GS herausbrachte. Auch ich konnte mir Anfangs nicht vorstellen, blind einen Touchscreen steuern zu können.

Wie findest du beim Programmieren Fehler, wenn der Quellcode mehrere 100 Zeilen lang ist?

Meine Lieblingsentwicklungsumgebung ist Eclipse. Dort kann ich beim Kompilieren die Fehlermeldungen lesen und mit zwei Tastenkombinationen zwischen den Fehlern im Quellcode hin und her springen. So muss ich nicht mühsam die Zeile suchen, in der der Fehler liegt.

Sollte ich z.B. gerade in php programmieren, was ich nicht über meine Entwicklungsumgebung debugge, kann ich an Hand der Zeilennummer im Fehlercode auch wieder mittels Tastenkombination in die richtige Zeile springen und den Fehler beheben.

Solltet ihr weitere Fragen an mich haben, schreibt sie in die Kommentare oder schickt mir eine Nachricht über mein Kontaktformular, dieser Eintrag wird dann ggf. ergänzt.
Wer nicht an oben verlinkter Veranstaltung teilnehmen konnte, findet in diesem Eintrag und auf meiner Facebookseite eine Zusammenstellung der dort gestellten Fragen.

wie eine nicht ganz barrierefreie Webseite dennoch Eindruck macht

Das hier hat nicht unmittelbar etwas mit Software- oder Webentwicklung zu tun, aber ich muss es doch mal loswerden.

Jeder hat das schon erlebt: Man ist gerade mitten im Workflow und plötzlich meldet sich der Hunger, man hat aber nichts mehr im Haus, es ist Sonntag und keine nahe Einkaufsmöglichkeit in Sicht. Was liegt da näher, als sich schnell was essbares zu bestellen?

Also Lieferheld geöffnet und die aktuell offenen Restaurants durchstöbert. Bei der Gelegenheit kann ich die Seite auch gleich mal auf Barrierefreiheit testen und ggf. Rückmeldung geben, dachte ich mir.

Als ich meine Pizza belegen wollte, blieb ich allerdings unerwartet stecken. Die Zutatenliste wollte sich einfach nicht öffnen! Ich versuchte es mindestens dreimal mit verschiedenen Methoden, aber jedes mal beförderte mich der Druck auf „enter“ oder die Leertaste nur irgendwo anders hin auf der Seite, bis ich letzten Endes ein anderes Restaurant gesucht habe, weil mir das alles einfach zu blöd wurde.

Seltsam war, dass sich dort die Nudelauswahl problemlos durchführen ließ. Also hab ich nach Aufgabe der Bestellung gleich mal den Hörer in die Hand genommen und die kostenlose „Heldenhotline“ angerufen. Viel konnte mir ja nicht passieren.

Was soll ich sagen? Nicht nur, dass die nette Dame am anderen Ende mein Problem nachzuvollziehen versuchte und versprach, das ganze an die Entwicklung weiterzugeben, als Entschädigung bekam ich auch noch einen Gutschein!

Selten hatte ich eine so überraschende Reaktion, wenn ich eine Firma auf Barrieren ihres Angebots hingewiesen habe. Die besten Reaktionen waren noch, dass man mir versprach, zukünftig darauf zu achten, ich danach aber nie wieder was gehört habe.

Das war mal wieder so eine Situation, die mich in meinem tun bestärkt hat. Auch wenn viele Firmen meine Anfragen entweder ignorieren oder mich mit Standardantworten abspeisen, diese positiven Erlebnisse lassen mich weiter machen.