Archiv der Kategorie: persönliches

Ich rede wie mir der Schnabel gewachsen ist

Dieser Beitrag eines von mir sehr geschätzten Bloggers hat mich zu meinem heutigen inspiriert.
Ich weiß es noch als wäre es gestern gewesen. In meiner Jugend entdeckte ich eine Internetseite, auf der jeder Aufnahmen von sich hochladen konnte. Es gab sogar die Möglichkeit, Duette zu singen. Besagte Seite hatte auch ein Forum zum Austausch und da ich schon zu der Zeit gerne Kontakt zu normal Sehenden haben wollte, meldete ich mich an. Eines Tages kam die Nachricht eines Mitglieds, warum ich denn sehen sage, wenn ich nicht sehen kann. Ich musste zweimal lesen, um das zu verstehen. Ich schrieb zurück, dass ich das nun mal so sage, an die Antwort erinnere ich mich nicht mehr.
Es gab noch eine Situation in meiner Kindheit. Wir fuhren zu Freunden meiner Mutter. Als eines der Kinder ins Zimmer kam sagte ich „hallo, lange nicht mehr gesehen.“ Schallendes Lachen der anderen war die Antwort darauf. Ich fühlte mich trotzdem nicht ausgelacht.
Ja, ich kann es nachvollziehen. Es muss befremdlich wirken, wenn jemand Blindes „sehen“ sagt.
Ich benutze das schon immer so selbstverständlich und habe nie darüber nachgedacht, wie das auf andere wirkt.
Ich bin auch kein Freund davon immer aufpassen zu müssen, was ich sage. Wenn ich weiß, dass jemand ein Problem mit einem Wort hat, ok, aber von Beginn an davon auszugehen, es könnte sein…Nein, das bringt alle Gespräche zum Stocken.
Wenn zu mir jemand sagt „guck mal“ und mir etwas in die Hand drückt finde ich auch das völlig in Ordnung. Auf das betretene „oh sorry“ reagiere ich locker und erkläre, dass solche Worte für mich auch zum Sprachgebrauch gehören. Es mag Leute geben, die das anders sehen. Bei mir braucht keiner Angst zu haben, „sehen“ und ähnliches zu sagen. Wer unsicher ist fragt einfach nach. Manchmal ertappe ich mich dabei das Wort umschreiben zu wollen, wenn ich keine Lust auf Diskussionen habe.

es ist ok

An alle, die aktuell mit sich hadern, sich nicht richtig fühlen.
Es ist ok, sich verletzlich zu zeigen. Nur wer dich mit all deinen Schwächen nimmt hat dich verdient. Den anderen wirst du es eh nicht recht machen können.
…sich mal hilflos zu fühlen. Nicht mehr weiter zu wissen und um Hilfe zu bitten.
…sich Grenzen einzugestehen und sich damit erstmal alles andere als gut zu fühlen.
Es ist ok ans Aufgeben zu denken, wenn alles aussichtslos scheint. Wichtig ist nur, dass du da auch wieder rauskommst.
Es ist ok, nicht ok zu sein. Zugegeben, der kommt nicht von mir, ist aber so wahr…

Dieser Beitrag geht auch ein Stück weit an mich selbst. An den Teil von mir, der noch zweifelt, gerade nicht weiterweiß, sich immer wieder selbst kritisiert.
Wie oft verfluche ich diesen Teil in mir und kämpfe dagegen an? Das macht es am Ende nur schlimmer.
Es zieht viel mehr Energie sich irgendwie anzupassen und zu verstellen. Da musste erst ein großer Knall kommen, damit ich das alles erkenne.
Auch das ist ok und ich darf mir das nicht selbst vorhalten. Es ist passiert und ich habe hoffentlich fürs Leben daraus gelernt.
Ich will in Zukunft so liebevoll zu mir sein, wie ich es mir als Kind gewünscht hätte. So akzeptiert werden wie ich bin.
Das heißt nicht, dass ich alles an mir toll finden muss. Will ich akzeptiert werden mit allem was mich ausmacht, muss ich bei mir selbst anfangen.
Ich weiß, es gibt immer noch viele Menschen da draußen, die sich nicht vorstellen können sich selbst lieben zu lernen, die meinen Beitrag als Spinnerei abtun würden. Hätte mir jemand vor zwei Jahren so einen Beitrag geschrieben, ich hätte vermutlich auch nur zweifelnd den Kopf geschüttelt und weiter gescrollt.
All die Jahre habe ich es mir selbst so schwer gemacht. Ich wusste es nicht besser. Ich stehe noch ganz am Anfang dieses Prozesses, bin mir aber sicher, dass ich das schaffen kann. Ich muss es schließlich mein ganzes Leben lang mit mir aushalten. Da gibt es nicht die Möglichkeit, sich von sich selbst scheiden zu lassen und getrennte Wege zu gehen.
Natürlich hatte ich lange Angst das könnte in Egoismus ausarten. Meine Bekannte sagte mir, erst wenn dir die anderen egal werden, ist es Egoismus. Sehr beruhigend.

Mein nächster Schritt und Danksagung

Diese Woche habe ich wieder zwei Absagen bekommen und die zweite hat mich nochmal zum Grübeln gebracht. Es war eine Standardmail und wieder kam der alt bekannte Gedanke in mir auf, ich sei nicht gut genug, keiner würde mich als gefühlte Programmieranfängerin haben wollen. Zudem kamen meine Programmierversuche der letzten Wochen, ich schaffte es einfach nicht, ein Projekt zu starten.
„einfach machen“, hallte es in meinem Kopf, aber es ging nicht. Ich stand wie vor einer Mauer und kam da einfach nicht durch. Egal wie sehr ich dagegen drückte, ob ich versuchte sie abzutragen, sie wurde nur immer größer.
Schon während der Arbeit im HR habe ich immer zu meinen Kollegen gesagt, es würde mir enorm helfen, wenn ich erstmal anderen Code verstehen lerne und daran arbeite oder ich hätte jemanden, der von Anfang an begleitend bei mir ist.
In letzter Zeit fokussierte ich mich nur noch auf den Teil, ein komplett neues Projekt starten zu wollen, warum weiß ich selbst nicht so genau.
Wie so häufig, wenn ich nicht weiter wusste, teilte ich mich mit. Ich hab ja schon öfter meine Überzeugungen über den Haufen werfen dürfen.
Ich dachte, wenn ich um Hilfe bitte werde ich ausgelacht oder bekomme nur ein „stell dich nicht so an“. Negative Erfahrungen haben mich derart geprägt.
Jetzt darf ich durch euch erfahren, dass es nicht stimmt und das macht mich so unfassbar dankbar.
Die Hoffnung, die sich in den letzten Wochen wieder irgendwo versteckt hatte, ist zurück.
Ich habe schon seit einer gefühlten Ewigkeit einen GitHub Account, ihn aber nie wirklich benutzt, das werde ich ab morgen ändern.
Ich habe den wundervollen Tipp bekommen, mich an bestehende Projekte zu hängen, so könnte ich Feedback bekommen. Mir war irgendwie nicht klar, dass das so auch geht. Ich dachte immer, man läd da eigenen Code hoch und das wars, wenn er gut ist wird er in bestehendes Programm reingenommen.

Als ich noch einen Mac hatte habe ich das einmal mit nicht barrierefreier Software versucht. Ich dachte, es müsse doch ein leichtes sein, ein von Voiceover nicht erkanntes Eingabefeld zu verändern. In dem Wust von Ordnern, Dateien und C++, das ich nie gelernt habe, verlor ich schnell den Mut und schob das ganz weit weg. Ich werde einen neuen Versuch starten, womit genau, weiß ich noch nicht.
Allein schon zu wissen und immer mehr zu erfahren, dass ich nicht allein bin hilft mir gerade so ungemein weiter.
Egal was kommt, ich habe wundervolle Freunde und Leser hinter mir. Das lässt mich vergessen, wie schwarz mein Leben noch vor einem Jahr schien und wer weiß, wohin mich das noch trägt. Es wird der Zeitpunkt kommen, an dem ich mich selbst wieder motivieren kann, davon bin ich überzeugt.

So also fühlt man sich nach der ersten Absage

In den letzten Tagen kribbelt es mich zunehmend in den Fingern, hier mal wieder ein Lebenszeichen von mir zu geben. Ich habe oft verschiedene Beiträge angefangen und dann wieder verworfen, aber jetzt ziehe ich es durch. Ich muss das aufschreiben, auch wenn ich weiß, dass ich damit sicher nicht allein bin. So also fühlt man sich nach der ersten Absage weiterlesen

zwischen Verzweiflung und Tatendrang

Lange habe ich überlegt, ob ich diesen Beitrag wirklich schreiben soll. Ob es nicht ein ziemlicher Kontrast ist. Erst Fachblog und jetzt so emotional? Da war die Angst vor euren Reaktionen, die ist immer noch da. Aber jetzt bin ich mir sicher, ja, ich schreibe es. Weil mir so vieles durch den Kopf geht und ich nicht weiß, wohin sonst noch damit. Mein langfristiges Ziel ist es, zu mir selbst zu stehen und meine Meinung ohne Angst zu sagen, also fange ich jetzt damit an.
Ich erzähle von den letzten vier Jahren und mache mir so meine Gedanken. zwischen Verzweiflung und Tatendrang weiterlesen