Gedanken zum Tag der Menschen mit Behinderung

Heute ist der Tag für Menschen mit Behinderung und ich mache mir da so meine Gedanken. In diesem Beitrag versuche ich sie zu sortieren. Es werden auch Dinge dabei sein, die ihr vermutlich schon woanders gehört oder von mir gelesen habt. Es hilft mir das nochmal in eigene Worte zu fassen und ich erhebe natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Eine Sache die ich in den letzten Tagen verstärkt auf Twitter lese macht mich sehr betroffen und lässt mich zweifeln, wie ernst das mit der Inklusion gemeint ist.
Was ich da über die Deutsche Bahn mitbekomme, dass ständig Rollstuhlfahrer stehengelassen werden, angeblich aus Personalmangel, lässt außerdem meinen eh schon durch meine Pendelei verstärkten Hass auf die Bahn hochkochen. Als Pseudolösung wird dann der Schwerbehinderte noch gebeten, seinen Fahrplan anzupassen.
Es ist ja auch völlig in Ordnung, dass Schwerbehinderte doch bitte spätestens 2 Tage vorher wissen sollen, wann sie fahren wollen, wenn sie Hilfeleistung benötigen. Das führt bei mir häufig dazu, dass wenn ich doch mal fahre mich beim Umsteigen lieber durchfrage, auch wenn mich das viel Überwindung kostet. Meistens sind ja die anderen Reisenden selbst so in Eile oder müssen ganz woanders hin, da bin ich froh, wenn ich längere Umsteigezeiten habe.
Das Thema allein schon triggert mich extrem, da möchte ich nicht wissen, wie das für Rollstuhlfahrer ist. Mir graust jetzt schon vor Weihnachten. Da fahre ich zu meinen Eltern und das wird alles andere als angenehm, weil ich mehrfach umsteigen muss.
Ich durfte mir schon anhören ich solle doch froh sein, dass es die Bahn gibt. Sorry, aber ich schreibe was mir nicht passt. Überhaupt finde ich es ziemlich daneben, wie andere immer zu beurteilen meinen was zumutbar ist. Man solle dankbar sein für das, was man bekommen kann. Egal, ob dabei Grenzen überschritten werden.
Da sage ich ganz klar nein. Zu lange wurden unsere Grenzen immer wieder überschritten und das schlimmste ist, dass solche Kommentare auch gerne aus den eigenen Reihen kommen. Mag sein, dass ihr es mit euch machen lässt, aber gesteht uns auch zu, dass wir das nicht tun.
Keiner hat es sich ausgesucht behindert zu sein, dann darf ich mir wenigstens aussuchen, wie ich behandelt werden möchte.
Ich bin ehrlich, ich beneide jeden, der ein Auto fahren kann. Sicher, ich könnte mir eine Mitfahrgelegenheit suchen. Da muss ich der fahrenden Person sehr vertrauen können. Darauf bin ich schon angesprochen worden, man bewunderte mein Vertrauen in die helfende Person. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, kenne es jedoch nicht anders.

Ein anderes Thema ist die immer noch fehlende Aufklärung. Wie oft höre ich „die wissen es ja nicht besser.“ Ja, dann fragt man. Ich kann auch nicht alles auf dem Schirm haben, werde ich darauf angesprochen, erweitere ich gerne meinen Horizont.
Ich wünsche mir viel mehr Verständnis für einander, weniger uninformierte Behauptungen wie die Gruppe der Schwerbehinderten sei so klein, da lohne es sich nicht, die Software anzupassen.
Wie ich an anderer Stelle schon erwähnte, ist auch der Satz „das können wir nicht umsetzen.“ beliebt. Ist ok, aber wo ist dann das Problem, sich helfen zu lassen?
Ich habe sowohl Fremdfirmen im HR als auch privat einigen Betreibern angeboten mit meinen Möglichkeiten zu helfen, leider meistens ohne Erfolg.
Umgekehrt möchte ich noch besser verstehen lernen. Erst heute habe ich mich beim durch die Stadt laufen gefragt, wieso mir ständig Leute über den Stock stolpern oder ob man mich sieht, wenn ich seitlich vorbeilaufe, derjenige aber gerade nach vorne guckt. Man hat uns in der Schule viel darüber beigebracht, wie wir uns unter Sehenden verhalten sollen, nur wirkliches verstehen kam da bei mir nicht auf.

Zum Glück sehe ich auch positives, weit weniger als ich gedacht habe bekomme ich Absagen wegen meiner Behinderung. Es gab sogar Firmen, die nochmal extra betont haben, dass es wirklich nicht an der Behinderung lag. Wäre nicht nötig gewesen.
Ohne die IT wüsste ich gar nicht, was ich hätte werden sollen, viel gab es früher nicht.
Trotz meiner langen Internatszeit habe ich einige Kontakte ohne Behinderung, die mir schon immer unvoreingenommen begegnet sind.

Leider bleibt am Ende immer noch viel negatives kleben und ich fürchte, dass auch der heutige Tag eher für Lippenbekenntnisse genutzt wird, als wirklich nachzudenken und die Situation zu verbessern.

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