Häufig gestellte Fragen

In meinem ersten Eintrag hatte ich angekündigt, hier eine Reihe immer wieder gestellter Fragen zu beantworten.
Anlass zu diesem Eintrag gab u.a. der Expertenchat mit mir, in dem ich am 15. Juni Fragen zur Barrierefreiheit von Webseiten beantwortet habe.

Wie kannst du als Blinde lesen, was ich schreibe?

Am PC und Handy/Smartphone gibt es für verschiedenste Betriebssysteme eine Software, die Blinden den Bildschirminhalt in Sprache umwandelt. Außerdem gibt es die Möglichkeit, eine Braillezeile, anzuschließen, die mir alles in Blindenschrift anzeigt. Das ist vor allem zum Entwickeln hilfreich, weil sonst jedes einzelne Sonderzeichen vom ScreenReader angesagt wird.

Ich persönlich nutze beide Systeme. Die Braillezeile funktioniert nicht ohne den ScreenReader. Jeh nach Bedarf lässt sich die Sprachausgabe oder die Braillezeile aber abschalten, sodass nur mit einem der Systeme gearbeitet werden kann. Außerdem gibt es sogar ScreenReader, die noch eine Schriftvergrößerung integriert haben. Das ist für stark Sehbehinderte hilfreich, die noch etwas auf dem Bildschirm erkennen und zur Unterstützung eine Sprachausgabe nutzen möchten.

Wie schreibst du blind am PC?

Ich schreibe mit einer ganz normalen Tastatur im Zehnfingersystem. Die Anordnung der Tasten kenne ich so gut, dass ich damit relativ schnell schreiben kann. Mir war nicht bewusst, wie viele Sehende tatsächlich beim Schreiben auf die Tastatur schauen, weil sie die Anordnung der Tasten nicht auswendig wissen oder im Zweifingersuchsystem tippen.

Inzwischen kann ich auch den Touchscreen eines Smartphones bedienen. Dies ist erst möglich, seit Apple 2009 das IPhone 3GS herausbrachte. Auch ich konnte mir Anfangs nicht vorstellen, blind einen Touchscreen steuern zu können.

Wie findest du beim Programmieren Fehler, wenn der Quellcode mehrere 100 Zeilen lang ist?

Meine Lieblingsentwicklungsumgebung ist Eclipse. Dort kann ich beim Kompilieren die Fehlermeldungen lesen und mit zwei Tastenkombinationen zwischen den Fehlern im Quellcode hin und her springen. So muss ich nicht mühsam die Zeile suchen, in der der Fehler liegt.

Sollte ich z.B. gerade in php programmieren, was ich nicht über meine Entwicklungsumgebung debugge, kann ich an Hand der Zeilennummer im Fehlercode auch wieder mittels Tastenkombination in die richtige Zeile springen und den Fehler beheben.

Solltet ihr weitere Fragen an mich haben, schreibt sie in die Kommentare oder schickt mir eine Nachricht über mein Kontaktformular, dieser Eintrag wird dann ggf. ergänzt.
Wer nicht an oben verlinkter Veranstaltung teilnehmen konnte, findet in diesem Eintrag und auf meiner Facebookseite eine Zusammenstellung der dort gestellten Fragen.

Was bisher geschah, ein Statusbericht von mir

Lange habe ich hier nichts mehr von mir hören lassen, das soll sich jetzt ändern. Ich lasse euch heute an meinen letzten 8 Monaten teilhaben.
Vieles ist passiert und ich möchte allen da draußen, die glauben, nichts erreichen zu können, hiermit etwas Mut machen.

Immer wieder habe ich in den letzten Monaten versucht, etwas zu schreiben, aber so viel hat sich verändert, dass ich einige Entwürfe neu machen werde.
Noch während ich meine ersten Einträge hier schrieb, war ich mitten in der Prüfungsphase meiner Ausbildung.
Am Anfang der Ausbildung wurde immer wieder gesagt, man traue mir das nicht zu und ich wollte es allen beweisen. In den letzten Monaten, so kurz vor Ende, kam dann doch die Sorge auf, was wenn ich im letzten Moment scheiterte? Die schriftliche Prüfung war so, dass ich schon beim abgeben Bammel hatte, durchzufallen. Was mich dann aber wirklich überrascht hat, war die Jobzusage.
In der Programmierstunde kam sie, einen Tag, nachdem ich bei der Arbeitsvermittlerin war. Dann kam das nächste, die Projektpräsentation. Nur so viel, im Fachgespräch hatte ich ein totales Blackout und die Warterei vor der Notenverkündung war der absolute Horror. Die schriftliche war gerade so geschafft. Als dann das erlösende „bestanden“ kam, sprudelte ich fast über. Bei der Leistung hatte ich alles erwartet, aber das nicht. Jetzt stand meinem Job nichts mehr im Wege.

Was soll ich sagen? Besser hätte ich es nicht treffen können. Jetzt bin ich durch die Probezeit und kann nicht glauben, dass ich es tatsächlich geschafft habe. Ich hatte gedacht, ich müsste mich mit einem Job zufrieden geben, hinter dem ich nicht hundertpro stehen würde, aber als die Zusage kam wusste ich, das ist meins. Das letzte halbe Jahr hat mich Tag für Tag bestätigt.
Und jetzt, wo ich diese ganze Aufregung endlich hinter mir habe, gab es noch eine größere Veränderung.

Ich habe das Betriebssystem gewechselt. Seit 2 Monaten nutze ich einen Mac und was Barrierefreiheit angeht, muss Windows noch einiges lernen. Sicher, man muss sich ganz schön umgewöhnen, aber alles in allem kann ich hier nicht klagen.
Ich schreibe diesen Beitrag gerade am Mac und ich muss gestehen, ich fluche immer, wenn ich auf der Arbeit am Windows Laptop sitze.

Also, Leute, wenn ihr etwas wirklich wollt, lasst euch nicht unterkriegen und auch wenn ihr denkt, ihr könntet nichts ausrichten, wenn alle an einem Strang ziehen können viele kleine Dinge zu etwas ganz großem werden.

Und sollte ich diesen Blog wieder länger als einen Monat vernachlässigen, schreibt mir ruhig böse Mails 🙂 ich habe hier noch Entwürfe liegen.

Bis zum nächsten Eintrag

eure Svenja, die sich freut, dass ihr trotz der langen Pause immer noch da seid.

wie eine nicht ganz barrierefreie Webseite dennoch Eindruck macht

Das hier hat nicht unmittelbar etwas mit Software- oder Webentwicklung zu tun, aber ich muss es doch mal loswerden.

Jeder hat das schon erlebt: Man ist gerade mitten im Workflow und plötzlich meldet sich der Hunger, man hat aber nichts mehr im Haus, es ist Sonntag und keine nahe Einkaufsmöglichkeit in Sicht. Was liegt da näher, als sich schnell was essbares zu bestellen?

Also Lieferheld geöffnet und die aktuell offenen Restaurants durchstöbert. Bei der Gelegenheit kann ich die Seite auch gleich mal auf Barrierefreiheit testen und ggf. Rückmeldung geben, dachte ich mir.

Als ich meine Pizza belegen wollte, blieb ich allerdings unerwartet stecken. Die Zutatenliste wollte sich einfach nicht öffnen! Ich versuchte es mindestens dreimal mit verschiedenen Methoden, aber jedes mal beförderte mich der Druck auf „enter“ oder die Leertaste nur irgendwo anders hin auf der Seite, bis ich letzten Endes ein anderes Restaurant gesucht habe, weil mir das alles einfach zu blöd wurde.

Seltsam war, dass sich dort die Nudelauswahl problemlos durchführen ließ. Also hab ich nach Aufgabe der Bestellung gleich mal den Hörer in die Hand genommen und die kostenlose „Heldenhotline“ angerufen. Viel konnte mir ja nicht passieren.

Was soll ich sagen? Nicht nur, dass die nette Dame am anderen Ende mein Problem nachzuvollziehen versuchte und versprach, das ganze an die Entwicklung weiterzugeben, als Entschädigung bekam ich auch noch einen Gutschein!

Selten hatte ich eine so überraschende Reaktion, wenn ich eine Firma auf Barrieren ihres Angebots hingewiesen habe. Die besten Reaktionen waren noch, dass man mir versprach, zukünftig darauf zu achten, ich danach aber nie wieder was gehört habe.

Das war mal wieder so eine Situation, die mich in meinem tun bestärkt hat. Auch wenn viele Firmen meine Anfragen entweder ignorieren oder mich mit Standardantworten abspeisen, diese positiven Erlebnisse lassen mich weiter machen.

ich stelle mich vor

In diesem Eintrag gibt es erst einmal einen Überblick darüber, wie ich auf die Idee kam, diesen Blog zu erstellen und was euch erwarten wird.

Meine Inspiration

Ich tummle mich jetzt schon länger in der Internetlandschaft. Da ließ es sich nicht vermeiden, meinen Senf zu Dingen dazuzugeben, von denen ich Ahnung zu haben meine. 😉

Eines Tages dann schwadronierte ich mal wieder über eine Seite, die nicht barrierefrei zugänglich war. Ich brauche das, weil ich blind bin und auf spezielle Software angewiesen bin. Mehr dazu wird es noch in weiteren Beiträgen geben, erst einmal der Anfang.

Völlig unvermittelt fragte mich schwindt-pr, ob ich nicht für sie einen Beitrag zu eben dieser Thematik schreiben mag. Nach anfänglicher Überraschung sagte ich schließlich zu. Nicht zuletzt deshalb, weil ich diese Bloggerin sehr für ihre Arbeit schätze.

Seitdem ich meine Ausbildung zur Fachinformatikerin für Anwendungsentwicklung angefangen habe, war ich der Meinung, dass sich im www zu wenige weibliche Informatiker trauen, aus ihrem Kämmerlein aufzutauchen und zu sagen „hey, hier bin ich und möchte der Welt etwas mitteilen.“ Das möchte ich ändern. Noch bin ich eine Berufsanfängerin in der großen Entwicklungswelt, aber jeder fängt mal klein an. Auch weil noch jemand einen Artikel zum Thema Barrierefreiheit haben wollte, dachte ich mir, ich fange mal meinen eigenen Blog an.

Es dauerte noch lange, bis ich mich endlich durchringen konnte, hiermit anzufangen. Zu viele Zweifel waren noch da. Ich wusste natürlich nicht, wie sich alles entwickelt und hatte auch Angst vor zu viel Kritik. Ich vertraute mich einer ebenfalls nerdigen Bloggerin an und ihre Ermutigung, jetzt endlich anzufangen und eine eigene Domain für diesen Blog zu schaffen, gab endlich den Ausschlag. Danke an dieser Stelle nochmal ganz herzlich an Akshaya. So, nun genug des Vorgeplenkels.

Was erwartet euch?

Der Blogtitel fasst es ganz gut zusammen. Hier werde ich über Webentwicklung, Softwareentwicklung und Barrierefreiheit bloggen. Außerdem wird es eine Kategorie geben, in der ich alles weitere schreiben werde, was mit den drei Hauptthemen nichts zu tun hat, aber dennoch zur IT gehört und mich beschäftigt.

Bei allem, was ich hier so von mir zeige, steht ihr natürlich an erster Stelle, ihr solt meinen Blog schließlich lesen, sonst könnte ich ja einfach so vor mich hin schreiben.

Es gibt gerade zum Thema Barrierefreiheit eine Liste an Fragen, die mir immer wieder gestellt werden, auch die werde ich natürlich beantworten. Wer sich jetzt immer noch nicht so recht vorstellen kann, was das hier werden soll, immer her mit euren Fragen und Anregungen. Wenn die oben erwähnten Beiträge online sind, werde ich sie auch hier verlinken.