zwischen Verzweiflung und Tatendrang

Lange habe ich überlegt, ob ich diesen Beitrag wirklich schreiben soll. Ob es nicht ein ziemlicher Kontrast ist. Erst Fachblog und jetzt so emotional? Da war die Angst vor euren Reaktionen, die ist immer noch da. Aber jetzt bin ich mir sicher, ja, ich schreibe es. Weil mir so vieles durch den Kopf geht und ich nicht weiß, wohin sonst noch damit. Mein langfristiges Ziel ist es, zu mir selbst zu stehen und meine Meinung ohne Angst zu sagen, also fange ich jetzt damit an.
Ich erzähle von den letzten vier Jahren und mache mir so meine Gedanken.

Traumjob trotz Zweifel?

Gerade frisch aus der Ausbildung gekommen war ich froh, sofort einen Job gefunden zu haben. Leider ist es keine Seltenheit, auch in der vom „Fachkräftemangel“ geplagten IT-Branche, dass Behinderten nichts zugetraut wird und sie gar nicht erst einen Termin zum Vorstellungsgespräch bekommen.
Zum Punkt Fachkräftemangel komme ich später.
Ich hatte so eine vage Vorstellung davon was ich mit meinem Wissen anfangen wollte. Firmen dabei helfen, ihre Produkte zugänglicher für Menschen mit Behinderung zu machen. Also schien es mir wie ein Traum, dass ich genau das tun durfte.
Während der Ausbildung habe ich mir immer wieder gesagt, dass ich bloß nicht in Frankfurt arbeiten will. Als ich die Zusage bekam stritten zwei Stimmen in mir. Die eine sagte ich will nicht pendeln, die andere, dass ich es doch wenigstens versuchen sollte und der Job das schon aufwiegen wird, weil es ja das ist, was ich doch immer wollte.
Wie man sieht hat die zweite gewonnen. Lieber so, als gar keinen Job haben, dachte ich am Ende.
Die ersten Jahre waren auch toll, ich hatte das Gefühl was bewegen zu können und auch wenn ich nicht mit entwickelt habe, ging ich gerne zur Arbeit.

und dann der große Knall

Ich konnte lange nicht greifen, was eigentlich los war. Immer öfter merkte ich, wie mich das pendeln immer mehr stresst. Ich habe es weggedrückt und hab nach 3 Jahren eine einjährige Verlängerung unterschrieben. Mein Chef sagte mir da, er könne nicht versprechen, dass es danach noch weitergeht mit mir. Gut, dachte ich, wollte ja eh wieder in die Webentwicklung, aber das, was im HR dafür benutzt wird, habe ich irgendwann abgebrochen zu lernen, weil ich da nicht durchgestiegen bin. Zu dem Zeitpunkt sagte ich meinem Chef noch ich sei gerne beim HR, weil ich mir das selber so erfolgreich eingeredet habe. Ich dachte es sei nur eine Frage der Zeit, bis ich wieder Energie hätte und das Pendeln mir dann wieder leichter fiele. Nach Frankfurt ziehen war nie eine Option, schon gar nicht mit befristetem Vertrag.
Ich habe immer gedacht, meine Befindlichkeiten haben nichts auf der Arbeit zu suchen. Also habe ich versucht, irgendwie trotzdem zu funktionieren. Weil man das eben so macht. Bis Mitte letzten Jahres meine Welt total aus den Fugen geriet.
Ich habe meine beste Freundin verloren. Anstatt mir Zeit zum Trauern zu nehmen habe ich mich weiter in die Arbeit gestürzt. Die ersten Wochen danach waren der absolute Horror.
Es hat mich schon sehr gewundert, dass es niemandem aufgefallen ist. Ich saß oft einfach nur Stunden da und hab mich zusammengerissen, damit ich nicht im Büro anfange zu weinen. Die Beerdigung konnte ich nicht wahrnehmen, das wäre in Halle gewesen und das hätte ich alleine nicht gepackt. Jemanden zu bitten mit mir zu kommen? Ein Ding der Unmöglichkeit. Schließlich wollte ich nicht auch noch meine Verletzlichkeit zur Schau stellen. Da hätte ich Urlaub nehmen müssen und so nahe am Wasser gebaut wie ich zu der Zeit war, hätte ich da wohl meinen Chef buchstäblich vollgeheult.
Ich war mir sicher, mein Leben sei vorbei. So oft habe ich mir die Frage gestellt, wie ich ohne sie weiterleben soll.
Heute, zehn Monate später gibt es immer noch Zeiten, in denen ich alles hinschmeißen will. Das hätte sie nicht gewollt, das weiß ich. Dennoch ist die Sehnsucht nach ihr in solchen Momenten unerträglich und ich wünsche mir, bei ihr zu sein.

Erkenntnisse

Langsam gestand ich mir ein, dass mich der Stress auf lange Sicht kaputtmacht und es eben nicht nach zwei Wochen Urlaub wieder gut ist. Ich wollte mehr, als mein Leben lang auf Barrierefreiheit zu testen und den Firmen zu sagen, was sie tun können.
Ich wollte nicht so enden wie meine Freundin, mit tausend Plänen, die ich noch habe und aus Zeitmangel nicht vollenden kann.
Es klingt jetzt bestimmt total bescheuert, aber ich habe damals genau gespürt, dass sie rausgerissen wurde und noch gar nicht sterben wollte. Sie war es, die mir sagte
„Wenn du unglücklich bist, ändere was.“
Ich habe nicht auf sie gehört, das was ich ihr erzählt habe in mir weiter kleingeredet. Mich selber mit anderen verglichen. Mir weiter eingeredet, dass man den vermeindlichen Traumjob nicht einfach aufgibt.

Das, was ich so lange unterdrückt habe wollte dann nach ihrem Tod mit aller Macht gefühlt werden. Ich habe endlich erkannt, dass es so nicht weitergehen kann.

Ich habe über die Jahre einen regelrechten Hass auf Frankfurt entwickelt und darauf, alleine unterwegs sein zu müssen.
Ich stehe um viertel nach 5 auf, um dann von 6 bis 19 Uhr unterwegs zu sein. Wenn ich Pech habe sogar noch länger, dabei muss ich innerhalb Frankfurts zweimal umsteigen. Ich lebe nur noch für die Wochenenden.
Im Zug noch irgendwas arbeiten, mich weiterbilden? Entweder es ist zu laut oder ich bin so fertig, dass ich die Fahrt über schlafe.
Was mich dabei am meisten frustriert, ich werde ständig mit anderen verglichen.

  • „Andere machen das doch auch.“
  • „Stell dich mal nicht so an, wenn die Bahn mal 5 Minuten Verspätung hat.“
  • „Sei froh, dass du einen Job hast.“
  • „Du bist noch so jung, du hältst das schon aus.“

Ja, sowas darf ich mir von Fremden anhören. Da wird auf meinen Gefühlen rumgetrampelt, meine Sorgen werden nicht ernstgenommen. Da urteilen Leute über mich, die mich gar nicht kennen. Die noch nicht mal Kollegen von mir sind. Die sehen mich einmal und meinen gleich genau zu wissen, was zumutbar ist und was nicht.

Ich bin es leid, anderen zu sagen was sie programmieren sollen und mir dann hinterher anhören zu dürfen, das ginge nicht, das ist „hardcoded“. Was auch immer das bedeuten soll. Selbst mein Kollege hat bei der Aussage der Fremdfirma nur mit dem Kopf geschüttelt.
Ich bin es leid, immer wieder erzählen zu müssen, dass Felder und Bilder beschriftet werden müssen, alles per Tastatur erreichbar sein muss und dass es Standardtastenkürzel gibt und es nicht zielführend ist, wenn ich mir nur wegen einer Anwendung 100000 neue Kürzel merken muss.
Um nur einige Beispiele zu nennen, warum der Job nichts von dem Alltagsstress aufwiegelt, den ich jeden Tag durch die Pendelei habe.
Es gibt Studien darüber, was Pendeln mit Leuten macht.
Eine Pendelbekanntschaft erzählte mir mal, dass sie das seit 10 Jahren macht und das Gefühl hat, ihr Leben sei schon vorbei. Nichts von dem was sie sich vorgenommen hat konnte sie machen und denkt jetzt, es sei zu spät für das alles.

Und immer wieder stell ich mir die Frage, soll es das schon gewesen sein?
Ich fühl mich ausgelaugt, weiß nicht, wie es jetzt mit mir weitergehen soll.
Ich bin gerade erst innerhalb Marburgs umgezogen und habe einen Partner, den ich nicht aus seinem Alltag reißen will. Mir bleibt nur, einen Job in Marburg zu finden oder einen, wo ich homeoffice machen kann.

Die Sache mit dem Fachkräftemangel

Auf den ersten Blick in Jobbörsen sieht es tatsächlich so aus. Die Firmen möchten immer noch am liebsten die eierlegende Wollmilchsau. Trotz vier Jahre Berufserfahrung bekomme ich keinen Fuß in die Tür. Es sieht so aus, als müsste ich mich weiter mit pendeln kaputtmachen, weil es in Marburg nichts gibt.
Wenn ich mich bewerbe kommt oft entweder gar keine Antwort, oder mir wird abgesagt, weil ich nicht qualifiziert genug für die ausgeschriebene Stelle bin.
Ja, es fehlen verdammt viele Fachkräfte, aber wie sollen die entstehen, wenn man Berufseinsteigern keine Chance gibt?
Wenn die Bedingungen unzumutbar sind?
Warum scheuen sich immer noch so viele davor, ihren Mitarbeitern homeoffice anzubieten? Gerade bei den Pendlern wäre das eine große Erleichterung. Zufriedene Mitarbeiter leisten deutlich mehr als solche, die schon völlig gestresst zur Arbeit erscheinen.

Selbst wenn ich nur nach Gießen fahre brauche ich schon fast eine Dreiviertelstunde und muss Bahnhöfe und menschenmassen über mich ergehen lassen. Ich habe genug von der täglichen Reizüberflutung, die das mit sich bringt. Wahrscheinlich müsste ich dann auch innerhalb Gießens noch weiter herumfahren.
Langsam verliere ich den Glauben daran, mit programmieren mein Geld verdienen zu können. Ich habe Angst vor der Arbeitslosigkeit.
Die Frau, die für mich zuständig ist, schickt mir auch immer nur Jobs in Gießen.
Verständnis dafür, dass ich diese Mehrbelastung nicht mehr über mich ergehen lassen will, weil ich langsam nicht mehr kann, Fehlanzeige. Verständlich, sie will ja auch nur, dass ich gar nicht erst in die Arbeitslosenstatistik reinrutsche.
Ich bin erst 27, aber ich fühle mich, als wäre meine berufliche Laufbahn hier vorbei.
Ich habe Angst, meine Wohnung nicht mehr bezahlen zu können, wenn ich arbeitslos werde.
Ich habe Angst vor der Reaktion meines Umfelds.
Ich kann an nichts anderes denken und gerade kann ich nichts Positives an meiner Situation sehen. Mein Frust geht so weit, dass ich mir wünsche, sehen zu können.

Nicht aufgeben, aber wie gehts jetzt weiter?

Aufgeben war nie eine Option für mich, auch wenn sich das zeitweise anders anhört. Viele raten mir, mich selbstständig zu machen. Womit?
Ich möchte Erfahrungen sammeln und von anderen Entwicklern lernen können.
Ich kann jetzt hergehen und meine ganzen Kenntnisse auffrischen, eigene Projekte bauen und mir damit versuchen einen Namen zu machen. Aber mir rennt die Zeit davon.
Ich mache mir Vorwürfe, die letzten vier Jahre nichts getan zu haben.
Zwei Monate reichen nicht, um das irgendwie wieder aufzuholen.
Ich bin hin und her gerissen zwischen Verzweiflung und Tatendrang. Es lässt sich nicht leugnen, dass ich auf Grund meiner Behinderung mehr leisten können muss als meine sehenden Kollegen. Das für mich endlich mal anzunehmen ist hart. Das Gefühl alleine dazustehen mit meiner Angst ist groß, auch wenn es viele andere gibt, denen es so ergangen ist wie mir jetzt bevorsteht. Jahre arbeitslos, obwohl sie wollen.
Ich bin aber nicht mehr bereit, jeden Preis dafür zu zahlen. Meine Gesundheit ist mir wichtiger, als um jeden Preis einen Job zu haben.

17 Gedanken zu „zwischen Verzweiflung und Tatendrang

  1. Hallo Svenja! Das alles klingt sehr nach dem, was mir zur Zeit auch widerfährt bzw. ich in den letzten Monaten und Jahren an Erkenntnissen über mich und meine Situation gewonnen habe. Gerade am Donnerstag haben Petra und ich dazu eine Podcast-Folge veröffentlicht. Und heute erhielt ich als Facebook-Kommentar dazu einen Verweis auf diesen Beitrag von Domingos. Du bist damit definitiv nicht alleine! Und ich finde es stark und wichtig von Dir und für Dich, dass Du darüber redest und die Ängste, Verzweiflung und auch den Wunsch annimst und äußerst, was zu ändern.

    Ich wünsche Dir viel Kraft für die nächste zeit und fühle mit Dir!

    1. Hi Marco, Genau diese Episode habe ich mir heute früh angehört und danach entschieden, diesen Beitrag zu schreiben. Ich danke dir sehr für deinen Kommentar. Ich wünsch dir auch alles gute für die Zukunft und fand es sehr gut, dass du darüber geredet hast. lg Svenja

  2. Hallo liebe Svenja,

    ich wünsche Dir viel Kraft dass Du Deine „Berufung“ für den richtigen Beruf findest. Ich mache seit Juni 2008 Barrierefreiheit in der Informatik und ich kann mir nichts schöneres vorstellen.

  3. Hallo Svenja,
    mir geht es, abgesehen davon, dass ich keine informatikerin bin, ähnlich. Ich pendle seit etwa 5 Jahren und 6 Monaten zwischen Frankfurt (Oder) und Berlin. Eine Lösung für mein Problem mit dem Pendeln habe ich leider (noch) nicht. Ein Job in Frankfurt ist im Moment unwahrscheinlich, der Versuch einer Abordnung ist aus mehreren Gründen gescheitert. Dazu kommt, dass ich inzwischen über 40 bin und mir meinen jetzigen Job durch ein 2. Studium mit Mitte 30 nach langer Arbeitslosigkeit erarbeitet habe… Ich könnte mir einen Umzug nach Berlin (inzwischen) vorstellen, mein Partner allerdings überhaupt nicht, was die Sache nicht leichter macht… Ich wünsche Dir, dass Du bald eine Lösung für Dich findest. Ich suche auch weiter.
    Herzliche Grüße
    Nadja

    1. Hi Nadja,
      Ojeh, das hört sich auch nicht so toll an. Mit zunehmendem Alter wird es ja auch noch immer schwieriger was zu finden. Mein Partner möchte auch in Marburg bleiben und eine Fernbeziehung kommt für uns nicht wirklich in Frage, zumal es in Richtung meinem Frankfurt ja dann auch teurer wird und wir so viel Geld in die jetztige Wohnung schon gesteckt haben. Ich drück dir die Daumen, dass du doch noch was findest. Nach Berlin wollte ich auch mal, aber seit ich die Großstadt durch Frankfurt kenne, ist es mir vergangen. lg Svenja

  4. Hi, also ich pendle auch, 1,5 std. pro Weg mit Umstiegen usw. Einerseits könnte man sagen ich habe das selbst so gewählt, weil ich ausßerhalb Berlins wohne und in Berlin arbeite. jedoch ist das nur die halbe Wahrheit, da in der Stadt erstens die Mieten unverschämt teuer sind, und wichtiger noch, ich den Trubel auf Dauer nicht mehr gut ertrug. Ich genieße Abends ddie Ruhe im Garten usw. Na wie auch immer: Die Frage, die sich mir beim Lesen stellte: ich verstehe gut, dass Du nicht in Frankfurt wohnen willst, aber muss es denn zwingend Marburg sein? Nicht nur, dass die Stadt eh voller Studienabgänger ist, mit denen du bei der Arbeitssuche dort konkurierst, auch Sehbehinderte leben dort ja besonders viele. Leicht isses für uns eh nie, aber vielleicht böte ein Ortswechsel doch nochmal ein paar neue Perspektiven?
    Viele Grüße und alles Gute!

    1. Hi,
      Ja, muss es. Aus zweierlei Gründen.
      Wie im Beitrag erwähnt bin ich gerade erst innerhalb Marburgs mit meinem Freund in eine größere Wohnung gezogen die ich nicht so schnell wieder loswerden will, war schwer genug, sie zu bekommen.
      Hinzu kommt, dass dort mein engster Freundeskreis ist. Ohne die Blista wären nicht halb so viele Blinde und Sehbehinderte dort, würde ich meinen. Ich will nicht irgendwo neu anfangen müssen, wo ich höchstens 1,2 Leute kenne. Ich habe einfach das Gefühl, dort erstmal zu Hause zu sein. Heißt nicht, dass ich es mir in ein paar Jahren nicht doch anders überlegen könnte, aber jetzt ist es eben der Ort an dem ich leben möchte.

  5. Hi Svenja,

    Ich lese Deinen Artikel gerade während ich in der Bahn nach Hause pendel und ich konnte die Tränen nicht aufhalten. Ich fühle so sehr mit Dir und kann das alles so sehr nachvollziehen. Ich möchte Dir aber auch Mut machen. Vor 10 Jahren habe ich mit Anfang 20 einen Elternteil verloren. Der Verlust eines geliebten Menschen wird einen das ganze eigene Leben begleiten, aber man lernt damit zu leben. Und es zeigt einem, dass leben wichtig ist.

    Ich pendel seit dem Studium mehr oder weniger durchgehend (seit 2005). Ich hasse es. Mein Job hebt das auch nicht auf. Dachte ich lange. Ich mache gerne, was ich tue, ich bin gut darin. Ich schätze meine Kollegen und die schätzen mich. Vor einem Jahr habe ich meinen Job gekündigt und in eine andere Gesellschaft des Unternehmens gewechselt. Grund: hier ist Home Office möglich – und das nicht nur 1x die Woche. Prinzipiell kann ich 5 Tage die Woche von zu Hause arbeiten, wenn ich das möchte. Ich mache 2 Tage definitiv Home Office, wenn ich nicht anders kann, dann 3. Und mit anders können meine ich, wenn ich den Pendelstress nicht aushalten kann. Ttotzdem bin ich von 40 Stunden runter. Weil es mit dem Pendeln einfach nicht machbar ist. Mittlerweile macht mir mein Job wieder Spaß und ich kann sogar unter der Woche ein Privatleben haben. Kaputt mache ich mich dafür nicht mehr.

    Gib weiterhin nicht auf, liebe Svenja, aber hör auf Dein Herz. Kein Job der Welt ist es wert, daran kaputtzugehen! Du fällst weich und Du wirst etwas finden, womit Du glücklich sein kannst!!!

  6. Liebe Svenja,
    Oh, wie bekannt mir das alles vorkommt… Auch ich wohne in Marburg bin hochgradig sehbehindert und bin fast 13 Jahre in die andere Richtung nach Kassel gependelt. Vorher schon zwei Jahre nach Herborn. Seit etwa zweieinhalb Jahren arbeite ich in Stadt Allendorf. Das ist zwar erheblich näher dran als Kassel oder Frankfurt, aber mit dem Zug fahren muss man auch. Vielleicht so ein bisschen zu vergleichen mit Gießen. Ich bin Sozialarbeiterin und hatte in Kassel wirklich immer sehr interessante Jobs. Meinen letzten habe ich 2016 aus eigener Initiative aufgegeben und mich hier mehr in die Region beworben, da ich die Pendelei einfach nicht mehr ausgehalten habe. Hinzukommt dass mein Mann vor vier Jahren einen schweren Verkehrsunfall hatte und seitdem neben der Tatsache dass er schon immer nicht sehen konnte auch noch massive Schwierigkeiten mit der Schulter hat. Habe mich damals ziemlich zerrissen um alles irgendwie auf die Reihe zu bekommen. Eine Zeit lang hatten wir in Kassel sogar eine Zweitwohnung weil wir dachten das würde mir helfen. Letzt endlich war eher das Gegenteil der Fall, denn ich war so der Art zerrissen dass ich nicht wusste ob ich nun nach Kassel oder nach Marburg oder vielleicht doch in meine eigentliche Heimat Schleswig Holstein (Kiel) gehöre? Mein Mann ist hier in Marburg sehr fest verwurzelt, ich bin Anfang 2001 seinetwegen hier her gekommen, das macht das ganze nicht wirklich einfacher. Ich bin inzwischen 51 Jahre alt und auch wenn ich jetzt einen Job näher dran habe, so stresst mich das pendeln nach wie vor ungemein. Im letzten Jahr habe ich dann die Quittung bekommen: Brust Krebs. Ich habe alles gut überstanden aber: das war eine Warnung! Auch ich bin gerade dabei mein Leben zu verändern, versuche mit den Stunden noch ein bisschen weiter runter zu gehen und weiterhin Bewerbungen hier nach Marburg zu schreiben. Welche Chancen ich habe… Keine Ahnung! Ich habe früher für meine Arbeit gelebt, heute sehe ich das ganze ein bisschen anders. Wenn du dich mal mit einer altgedienten Berufspendlerinnen austauschen willst melde dich gerne, wir wohnen ja in der selben Stadt.
    Liebe Grüße von Claudia

    1. Liebe Claudia,

      Ich danke dir sehr für deinen ausführlichen Kommentar.
      Ich habe auch Angst, dass es auch aus Gießen weiter stressig bleibt mit dem Pendeln.
      Ich bin sehr froh, dass du den Krebs überwunden hast und ich wünsche dir, dass er nie zurückkommt.
      Auch ich habe in den letzten Jahren nur für die Arbeit gelebt, damit muss Schluss sein.
      Gerne können wir uns mal austauschen. Das würde mich sehr freuen.

      Viele Grüße
      Svenja

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.